Montag, 20. Juni 2011

Der Alte oder Lütsche-Floßgraben

wikipedia.de sagt: »Ein Floßgraben oder Flößgraben ist ein zum Zweck der Flößerei von unbearbeitetem Holz angelegter Kanal.«

Als Beispiel wird u. a. der Lütsche-Flößgraben im Thüringer Wald benannt.





Da ich Urlaub hatte und der „Alte Flößgraben“ in einem Mountainbikeforum beschrieben wurde, dachte ich mir, dass das eine Idee für eine Tagestour wäre. Eigentlich wollte ich von Erfurt aus mit dem Zug anreisen und dann mit dem Rad die Heimreise antreten. Die Wettervorhersage ließ mich von diesem Plan Abstand nehmen.

So lud ich dann das Rad ins Auto und fuhr nach Crawinkel. Dort hatte ich irgendwann mal einen Wegweiser „Alter Flößgraben“ gefunden.



Nachdem ich das Rad zusammengebaut hatte, brauten sich schon die ersten dunklen Wolken zusammen. Da kann man schön auf dem Blick in Richtung Landeshauptstadt erkennen.





Also zog ich die Windjacke d´rüber und hoffte, dass es nur ein Nieselregen bleibt. Blieb es – vorerst.

Die ersten Kilometer ging es auf recht gut ausgebauten Forstwegen stetig bergauf. Den Flößgraben eben von unten nach oben. Die Beschilderung des Weges war/ist gut und demzufolge ging´s zügig vorwärts. Das sollte aber nicht so bleiben.

Oberhalb von Frankenhain stieß ich in Höhe des Steinbruches auf die asphaltierte Zufahrtsstraße zum Campingplatz Lütsche-Stausee. Hier gingen weitere Waldwege ab. Es gab aber hier keinen Hinweis zum Flößgraben. Drei andere Biker kämpften sich den Anstieg aus Frankenhain hoch. Nach einem kurzen Schwatz mit ihnen entschied ich mich den geschotterten Forstweg weiter zu fahren. Nach einigen hundert Metern wusste ich, dass ich falsch war. Der Weg entfernte sich wesentlich von dem im ersten Bild grob dargestellten Verlauf des Flößgrabens. Am Wegesrand gab´s die Borzelquelle und schöne Blumen. :grins:



Irgendwann entschied ich mich links einen Weg ins Tal zu nehmen. Dieser Weg führte mich dann im Bereich des Borzelborns (wahrscheinlich die Fassung der weiter oben gefundenen Borzelquelle) auf die vor ein paar Minuten verlassene Asphaltstraße zum Campingplatz. Hier gab´s dann auch wieder einen Wegweiser. Den Verlauf der Straße folgte ich bis an den Campingplatz. Auf diesem gab´s wieder ein paar Irrungen und Fehlfahrten bis ich den richten Weg vermutete. Auch hier gab´s keine Hinweisschilder. Dafür aber einen richtig heftigen Regenschauer. Der von mir gewählte Weg erinnerte von seiner Ausarbeitung an einen Graben und verlief etwa auf der dargestellten Linie. Als ich einen recht steilen Anstieg mit „Kette links“ hochkurbelte und eine Dame mit Hund nur den Kopf schüttelte, befürchtete ich, dass ich falsch wäre. Als es dann plötzlich bergab ging vergrößerten sich meine Befürchtungen. Zu meinem Glück tauchte an der nächsten Weggabelung ein Schild mit der Beschriftung „Alter Flößgraben“ auf. Also doch richtig!

Nur warum ging es hier bergab? Da ich den Flößgraben von unten nach oben fuhr, hätte es eigentlich nur bergauf gehen müssen. Floss das Wasser früher bergauf? :grübel:

Nachdem es dann wieder von oben her trocken war und ich wieder gut ausgebaute, bergauf gehende Forstwege unter den Stollen hinter mir gelassen hatte, durfte ich einen netten, mit Wurzeln gespickten Trail austesten. Danach bot sich mir dieser Ausblick auf die A71.



Es gab auch mal wieder einen Hinweis, dass ich auf dem richtigen Weg bin. ;)



Außerdem sollte hier irgendwo der „Ausgebrannte Stein“ sein. Auf alle Fälle gab es ein Schild und einen netten kleinen Weg bog vom Hauptweg ab.



Und da war er dann. Diesen ca. 40 m langen Tunnel haben Bergleute durch abwechselnde Anwendung von Feuer und eiskaltem Wasser Stück für Stück in einen Porphyrfelsen gesprengt.





Tastend und in völliger Dunkelheit tapste ich hindurch und beschloss ab sofort immer ein gutes Licht am Rad (oder im Rucksack) zu haben. Ob ich mich daran halte?



Auf der anderen Seite angekommen gab´s dann die stilisierten drei Tannen (an der Tunnelwand) wieder, die die Wanderwegmarkierung darstellen sollen.



Nach einem Riegel ging´s dann auf diesem Weg bis zum höchsten Punkt des Weges weiter.



Dieser befindet sich an der Kehltalstraße in der Nähe der Rettungszufahrt zum Rennsteigtunnel. Ziel erreicht.

Tja, und der Rest ist schnell erzählt: weiter auf der Straße nach Oberhof zum Rennsteig, quer durch den Ort und abfahren zur Ohratalsperre. Die liegt ja bekanntlich in Luisenthal und dort endet/beginnt der „Alte Flößgraben“ an der Ohra. Nach einem kleinen Imbiss an der Staumauer suchte und fand ich den entsprechenden Einstieg. Dem „Flößgrabenweg“, der hier teilweise auf dem „Thüringenweg“ verläuft, folgte ich wieder ansteigend bis zum Startpunkt meiner Rundreise.

Zu Hause habe ich dann aus meiner GPX-Aufzeichnung die entsprechenden Abschnitte des „Alten Flößgrabens“ herausgelöst und zu einem durchgehenden Track zusammengefügt. Dieser ist in www.GPSies.com zu finden.

Kommentare:

  1. Schöner Bericht, danke Torsten!
    Du hattest die Idee ja vorgestellt und ich wäre auch gern mitgefahren. Mal sehen, wann ich wieder einsatzbereit bin.

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  2. super bericht und auch tolle bilder

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  3. wie immer Torsten - geiler Bericht !!!

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