Sonntag, 30. Mai 2010

Kurzurlaub am Gardasee

Endlich ist es soweit. Wir haben vor dem Pfingstfest eine Woche Urlaub. Bei dem Mistwetter der letzten Tage wünschen wir uns vorallem frühsommerliche Temperaturen, dazu am liebsten Berge und Wasser, was Leckeres für den Gaumen, das neue Bike will endlich über heiße Trails gejagt werden und der Familie soll´s auch gefallen. Das alles unter einen Hut zu bringen heißt: ab an den Gardasee!
Die Sonntagsanreise war unproblematisch, und weil ein LKW auf der A8 es vorzog sich seitlich über die Fahrbahn rollend fortzubewegen und seine Ladung wild zu verteilen, statt einfach geradeaus weiterzufahren, lernten wir noch den Achenpass kennen. Am Brenner sahen wir die hoffentlich letzten Schneeflocken dieses Frühjahres. Irgendwann angekommen genießen wir die erste traumhafte Verpflegung im Hotel. Aber hoffentlich sind hier nicht so viele kleine Tierchen Namens Kalorien im Essen, die über Nacht unbemerkt die Klamotten enger nähen. (Die engen Fahrradtrikots aus Lycra sind doch so verdammt ehrlich.)
Die Region am nördlichen Gardasee zählt zu den besten Bikerevieren der Welt. Unzählige Literatur beschreibt die schönsten Touren und GPS-Tracks gibt’s auf allen möglichen Seiten inzwischen kostenfrei zum download. Wer hier auf den Pfaden und Militärstraßen aus dem 1. Weltkrieg sein Bikerglück nicht findet, dem kann wohl nicht mehr geholfen werden. Auch ich habe mein Navi mit allen möglichen Tracks gefüttert und bräuchte sicher noch zwei Wochen mehr Urlaub, um die mir noch unbekannten Strecken trotz inzwischen zahlreicher Gardaseeaufenthalte probieren zu können.

Zwischen Riva und Torbolè liegte ein kleiner Hügel Namens Monte Brione. Dem muß ich doch gleich am Montag einen Pflichtbesuch abstatten. Rauf geht es durch Olivenplantagen bis zu der riesigen Bunkeranlage aus dem ersten Weltkrieg. Vom Bunkerdach aus genieße ich dieses Traumpanorama.





Bergab geht’s auf dem Trail aus der Trailhunter Gardasee-DVD. Statt rotem Kyffhäuserlehm warten hier Schotter und Steinplatten, ich kann mich gleich wieder an diesen typischen Gardasee-Untergrund gewöhnen.



Am nächsten Morgen starte ich zeitig und kurbele schnell knapp 500 Höhenmeter die alte Ponalestraße hoch bis zur Kirche in Pregasina. Dieser inzwischen von den Bikern kpl. vereinnahmte Weg war früher eine einspurige Straße, die in den steilen Fels gesprengt wurde. Nachdem sie nach einem Murenabgang lange Zeit gesperrt war, ist sie jetzt die wohl bekannteste Bikestrecke am Gardasee. Von hier aus geht es in das Tremalzogebiet oder ins Ledrotal. Auf der Abfahrt lacht mir die Morgensonne ins Gesicht. Die Ausblicke sind atemberaubend.



(ganz links die Ponale, links Riva, mittendrin der Monte Brione, rechts Torbolè)

So hatte ich an diesem Familientag schon früh meinen Spaß auf dem Bike und sitze pünktlich um 9 am Frühstückstisch.

Am nächsten Tag geht´s endlich richtig zur Sache! Mittwoch ist Tremalzotag! Mit dem Bikeshuttle könnte ich mich bequem bis zur Rifugio Garda fahren lassen – ich entscheide mich aber für einen ziemlich voll gepackten Transalprucksack und meine Muskelkraft. So eine Standortbestimmung kann ja nicht schaden… Auf geht es über die Ponale bis zum Ledrosee. Die ersten steilen Rampen vor dem See kosten schon allerhand Körner. Naja, immerhin habe ich hier schon mal knapp 600 hm in den Beinen. Am See herrscht eine absolute Stille. Das kristallklare Wasser liefert auch Energie, die im Wasserkraftwerk unten in Riva in das umliegende Stromnetz eingespeist wird.



Weiter geht es durch das Ledrotal auf z.t. neuen Radwegen, bis irgendwann die Höhenmeterküppelei auf der kaum befahrenen Tremalzostraße beginnt. Fast oben, cirka 180 hm unterhalb der Rifugio sind meine Akkus verdammt leer. Ich merke, dass die Bikesaison noch ziemlich jung ist. Am Brunnen kann ich mich erfrischen und ein Gel zaubert wieder ein wenig Druck in meine müden Beine.






Oben angekommen ist es für die Terrasse viel zu frisch, ich teile mir den Gastraum in der Hütte mit einem einzigen Biker. Bei allen vorangegangenen Besuchen war hier jedes mal die Hölle los. Bei schönem Wetter starten hier oben die Gleitschirmflieger. Heute ist nicht ein einziger da. Ich fülle meine Kohlenhydratspeicher mit Pasta, die wie immer hervorragend schmeckt. Nach der Pause fahre ich die letzten Höhenmeter rauf zum Tunnel.


Ein Bikeshuttle hat unten an der Hütte einige Freerider abgesetzt, die sich mit ihren schweren Geräten das Stück bergauf sichtlich mühen. Ganz schön frisch ist es hier oben auf knapp 1.800 m. Die Berge weiter nördlich sind kpl. schneebedeckt. Hier liegen zum Glück nur noch ein paar Schneereste.





Jetzt aber schnell die Protectoren an die Beine und die langen Handschuhe an, brrrrrr.... mir ist kalt, ich will runter vom Berg. Und ich bin gespannt, wie frei der oberste Tunnel der Abfahrt wohl ist. Vor Jahren musste ich mal in den Eingang kriechen und drinnen war´s stockfinster. Aber heute ist alles i.O. Die beiden Freerider, die hier auf dem Foto gerade in den Tunnel einfahren, halten die Abfahrt mit einer Helmkamera fest.




Diese alte Militärstraße vom Tremalzo zum Passo Nota ist für mich die schönste überhaupt. Ich habe schon viel in den Alpen gesehen, aber diese Panoramaabfahrt ist so hammergeil, das muß man mindestens einmal im Bikerleben gesehen haben! Immer wenn ich am Gardasee bin, ist der Tremalzo Programm! Ohne geht nicht!



Vom Passo Nota aus geht es in einem ständigen auf und ab über Trails Richtung Passo Guil, Passo Rocchetta und Passo Staulenza. Zwischendurch verschnaufe ich immer wieder an atemberaubenden Ausblicken.



Von hier aus ist am Ostufer des Gardasees sehr schön Malcesine zu sehen. Quasi mir zu Füßen liegen auf einer kleinen Hochebene Vesio und ganz unten am Seeufer Limone.



Oberhalb der Malga Palaer erwischt mich ein Plattfuß. Die Felge hat nichts abgekriegt und der neue Schlauch ist ruckzuck mit Luft gefüllt. Ich könnte von hier aus über die Malga nach Pregasina abfahren, aber heute will ich unbedingt mal wieder den 422 kpl. durchfahren (zu sehen auch in der Trailhunter DVD).



Aus fahrtechnischer Sicht ist dieser untere Abschnitt des 422 wirklich heftig. Bis auf wenige Stellen eigentlich nicht absturzgefährdet, mit schönen Spitzkehren aber auch mit extremen Felsabsätzen und im unteren Bereich mit gröbsten Schotterwacken und üblen Gefälle. An einer Stelle setzt mein Hinterrad zum überholen an, ich fliege böse über den Lenker ab und verpasse meinem Bike die ersten gröberen Kampfspuren. Sorry! Ich komme mit blauen Flecken und dem Schrecken davon. Das war heute also nix mit kpl. durchfahren. Ich schiebe es mal auf den schweren Rucksack.....

Ab Pregasina heize ich die Ponale runter bis nach Riva. Am Tourende zeigt mein Navi 2.088 Höhenmeter und knapp 70 Kilometer an. Vor dem Abendessen noch 2 Stunden am Pool relaxen, dann den Abend in der Sailingbar am Hafen ausklingen lassen – das war der bisher geilste Biketag in diesem Jahr!



Am Donnerstag habe ich nicht viel Zeit zum Biken - ich will ja nicht den Haussegen schief hängen lassen. Deshalb mache ich keine Experimente und kurbele nur mal kurz rauf nach Pregasina. Dafür räumt mir mein Schatz am Freitag wieder ein bisschen mehr Freiraum ein und ich fahre kurz entschlossen nach Torbole und über Nago bei einer Bruthitze in der Mittagssonne rauf auf die östliche Gardasee-Bergkette in Richtung Monte Baldo. Schnell bin ich höher als der Monte Brione, dessen östliche steile Flanke von hier aus sehr schön zu sehen ist.



Doch bis zum Monte Baldo reicht meine Zeit heute natürlich nicht, deshalb biege ich nach vlt. 1.100 hm irgendwann ab auf den berüchtigten 601.





Der obere Teil bis runter auf ca. 750 m macht mir richtig Spaß. Ich kannte den 601 ja bisher nur von der DVD Trailhunter und natürlich aus dem Mtb-Forum. Und im Forum schreiben irre viele Leute fahrbar, vielleicht zwei drei Stellen grenzwertig, aber fahrbar. Sprechen die von dem selben 601 auf dem ich gerade bin?






Naja, ich komme mal auf den Punkt: also wenn ich Euch irgendwann erzähle, dass ich den 601 kpl. gefahren bin, bin ich vorher wahrscheinlich derart auf meine Birne gekracht, dass ich dann zu den vielen (w)irren Leuten gehöre, die das fahren können. Wie auch immer? Insofern stelle ich nach meiner persönlichen 601-Erfahrung so einiges in Frage…. Möchte hier natürlich keinem Fahrtechnikkünstler zu nahe treten! Wer das fährt ist ein Held! Einige Abschnitte sind eben, was die Fahrbarkeit angeht, jenseits meines Vorstellungsvermögens. Spaß hatte ich trotzdem und viele herrliche Aussichten.



Und viel zu schnell sind die paar Tage rum. Gardasee: Anfang September komme ich wieder – nach dem AlpenX durch die Dolomiten ist in Riva hoffentlich unser erfolgreicher "Zieleinlauf"! Bis dahin….

Kommentare:

  1. Hammer Bilder und ein geiles Bike ;-) !!!

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  2. Hey Hawki,
    warum schreibst du eigentlich nicht für die Bike. Dafür können die dann von den gesteltzten und geschliffenen Beiträgen mit nichts sagenden Bildern welche weglassen.
    Super -> fünf Sterne *****
    Gruß Peter

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  3. Sehr schön! Mach viel Spaß zu lesen

    Nur leider bin ich wegen Höhenangst schon an der Ponale gescheitert - von unten wie von oben. Und deswegen geht der Tremalzo leider gar nicht. :(

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