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Montag, 11. März 2013

Letzte Etappe- Pilgern, Fluchen, artig sein




Mit dem ersten Blick aus dem Fenster kamen die Zweifel. Schnee ohne Ende, die Nachrichten auf N24 kündigten ein Schneechaos in Deutschland an und wir hatten noch mehr als 100 km mit dem Rad vor der Brust.
Eigentlich völlig bekloppt, aber an Aufgeben dachte von uns so kurz vor dem Ziel keiner und so frühstückten wir und sattelten ein letztes mal unsere geschundenen Räder.
Bereits in der Stadt hatte ich meine erste Panne und wir mussten bei eisiger Kälte den Schlauch vom Hinterrad wechseln.
Dann ging es leicht durchnässt weiter und wir waren kaum raus aus Köthen, da wollte uns ein weiterer Gegner an der Weiterfahrt hindern – stürmischer, eisiger Nordwestwind welcher schutzlos zwischen den Feldern auf uns lauerte.
Wir kamen kaum voran, konnten uns wegen dem Lärm der vorbeieilenden, hupenden LKW nicht verständigen und überhaupt war es die Hölle.
Irgendwann kamen wir durchnässt, entkräftet und völlig fertig in Könnern an, wo wir uns in ein Cafe` an der Straße flüchteten.
Andreas lief das Wasser aus allen Poren, er war durch eine Erkältung bereits angeschlagen und eine Weiterfahrt war so nicht mehr möglich.
Wir waren vorbereitet, er rief sein Taxi an und das Cafe`wurde zum All-inklusiv-Restaurant umfunktioniert.
Während er sich durch die Theke fraß, wechselte ich die Klamotten und beschloss die Weiterfahrt ganz allein.
Andreas war versorgt und er versprach das er mich später noch aufsammeln könne, sollte ich es nicht schaffen und so nahm ich den Kampf gegen die bevorstehende Eiszeit an.


Ab jetzt hatte ich ein Sonderprogramm gebucht, nämlich das Windkanal-Bergtraining und Bundesstraßen-Spinning in einem Komplettpaket. Alles zur gleichen Zeit

40 km lang Sturm, Berge, LKW und eisige Kälte, 
irgendwann funktioniert man nur noch.
Man schreit den Wind an, 
zeigt den LKW-Fahrern den Stinkefinger 
und irgendwann versinkt man in sich selbst, 
man tritt ohne das es ein Morgen gäbe, 
man fährt durch eine Parallelwelt,
eine Welt in der man ganz alleine ist,
man vereint sich mit dem einen Gang,
und verliert an nichts mehr einen Gedanken,
Es ist wie eine Droge

Das geht so lange, bis man wieder aufwacht und in Klosthermansfeld völlig unterzuckert in eine Bäckerei stolpert.
Ich glaub die Bedienung schüttelt heute noch mit dem Kopf.
Danach ging es bergab bis Sangerhausen und weiter durch die heimatliche Goldene Aue bis zum Ankunftsort nach Brücken, wo Andreas schon sorgenvoll auf mich wartete.
Und die Moral von der Geschicht, ein krankes Abenteuer, ein guter Freund, der Spass miteinander und unsere  Religion ,,das Biken“ sind  wichtiger, als vorgespielte Reiseversprechungen eines Reiseführers, vergiss das nicht!




Vielen Dank
ALF und Zenti

Sonntag, 10. März 2013

3.Etappe Pilgern, Fluchen, artig sein



Auch heute quälten wir uns bereits in den frühen Morgenstunden, mit schweren Beinen vom Vortag, in Richtung Dübener Heide.
Im Gegensatz zur Schlammschlacht von gestern, war der Boden gefroren, die Feldwege mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt und je tiefer wir in die Wälder vordrangen, umso höher wurde der Schnee und je glatter das sich darunter befindende Eis.
Mit dem Erreichen der touristisch ja so hochgelobte Dübener Heide, verschwand auch nach und nach die Beschilderung des Lutherwegs. Und je tiefer wir in die Heide kamen, umso schlimmer wurde es. 
Eigentlich wollten wir heute zum Mittag an Luthers Thesentür in Wittenberg anschlagen, aber es kam wie es kommen musste, wir irrten wieder im Wald umher.
Dank GPS-Gerät erreichten wir mit 2 Stunden Verspätung die Thesentür in Wittenberg, dass Ziel unserer Reise, doch ein netter Bauzaun verhinderte den lang ersehnten Anschlag.
Um wenigstens den Pilgerstempel zu ergattern, kehrten wir in der Tourist-Information ein, aber auch da war die Frau ein wenig überfordert, ja eigentlich kannte die Aushilfe den Pilgerpass gar nicht.
Andreas verfärbte sich zum Rumpelstilzchen und ich erklärte mit Händen und Füßen was wir für einen Stempel brauchten und irgendwann bekamen wir ihn dann auch.
Schnell noch Mittag an Luthers Denkmal und dann ging es weiter an der Elbe entlang auf der Nordroute des Weges.


Je näher wir an die Elbe kamen, umso mehr wurde aus dem Radweg ein Eisweg, dass Hochwasser welches vor Tagen hier noch wütete, überdeckte die Landschaft mit Eis.
,,Hier kannst Du locker fahren“ waren die letzten Worte vom Andreas bis er an mir vorübersegelte … und danach schlitterte auch sein Rad an mir vorbei.
Den nächsten Ort erreichten wir dann lieber zu Fuß und wanderten auf der dünnen Eisschicht weiter durch die verlassene Elblandschaft.
Das Chaos nahm seinen Lauf, so standen wir irgendwann an der Elbe, jedoch ging der Lutherweg auf der anderen Seite weiter.
Ein Rentner der seinen Dorfköter zum kacken ausführte, munterte uns mit den Worten auf ,,da müsst Ihr im Mai wiederkommen, da fährt die Fähre wieder“.
Die Worte die wir nun gebrauchten waren nicht mehr jugendfrei und überhaupt haben wir den Weg ab jetzt gehasst.
Die nächste Brücke befand sich in Dessau und das bedeutete 40km Umweg! Nun hatten wir vom Lutherweg wirklich genug und so nahmen wir den kürzesten Weg zum Etappenziel Köthen. 
Wir kamen nach 10h Kampf auf dem Rad mit Einbruch der Dunkelheit in der Köthener Schlachteplatte an. Ich glaube Andreas hat mich gehasst, aber dafür war die Unterkunft genial, der Chef persönlich half uns in seinem Nadelstreifenanzug beim abpacken der Räder und der Whisky mit dem abendlichen Pilgerschnitzel waren ein Genuss!
An diesem Abend änderten wir die Route und beschlossen die Heimreise auf dem kürzesten Weg, da sich im Radio die Unwetterwarnungen überschlugen! 

weitere Bilder auf www.eingangblick.org

Mittwoch, 6. März 2013

2.Etappe Pilgern, Fluchen, artig sein



2.Tag
Am zweiten Tag sattelten wir bereits vor 9 Uhr unsere Rösser und nahmen die Südroute des Lutherwegs über Halle bis zum Muldestausee in Angriff.
Es war die Schlüsseletappe unserer Tour wenn wir den Termin für unsere Ankunft daheim am Mittwoch halten wollten. Aber bereits hinter dem ,,Süßen See" erwartete uns das Chaos.
Leider hatten wir an diesem Tag Temperaturen über 0 Grad und das bedeutete Schlamm bis Halle, Schlamm auch hinter Halle und Schlamm den ganzen Tag und dieser Scheiß Schlamm verlangten uns alles ab.
Zum Mittag kamen wir im Ort Petersberg an, wo wir nach dem Mittagessen in so einer urigen Kneipe das 150 hm höher gelegene Kloster der Christusbruderschaft besuchten, um einen weiteren Pilgerstempel zu ergattern.
Nach einem Läuten an der Pforte empfing uns eine Nonne und auf Nachfrage nach dem Stempel wurden wir sofort mit Keksen versorgt. Ich weiss nicht ob es Mitleid gewesen ist, aber die Nonne fragte bestimmt drei mal ob das wirklich war ist, dass zu dieser Jahreszeit jemand pilgert.
Sie hätte trotz Fastenzeit sogar etwas für uns gekocht.
Das war mit Abstand die freudigste Begegnung dieser Tage!


Der Rest ist schnell erzählt, wir fuhren, fuhren und fuhren bis zum Muldestausee, verirrten uns Dank schlechter Beschilderung bis in die Nacht hinein im Wald und erreichte unsere Pension in Schlaitz völlig unterzuckert und nur mit Hilfe des GPS Gerätes.
Ja und ,,Gott sei Dank" hatte das Landgasthaus in Schlaitz nach 120 schlammigen Kilometern noch geöffnet!

weitere Bilder auf www.eingangblick.org

Montag, 4. März 2013

1.Etappe - Pilgern, Fluchen, artig sein



Wer jetzt einen riesen Bericht erwartet in dem ich jede Kreuzung, jeden Waldweg und jeden Wutausbruch den wir ohnehin stündlich hatten beschreibe, den muss ich Euch leider enttäuschen. Wir wurden sowieso ständig gefragt warum wir mitten im Winter zu solch einem Abenteuer aufbrechen und mein Freund Andreas (genannt Zenti) wird mir recht geben, dass wir nie eine wirkliche Antwort darauf fanden.
In dem Flyer des Lutherwegs den ich irgenwann im Sommer durch Zufall in den Händen hielt stand geschrieben:

,,Manchmal müssen wir aufbrechen aus dem, was uns bindet, fesselt.
Manchmal müssen wir uns frei machen von dem, was uns täglich in seinen Bann zwingt.
Manchmal müssen wir neue Wege gehen, damit wir uns wiederfinden."

Vielleicht war es das, vielleicht aber auch einfach nur die sportliche Herausforderung, vielleicht auch eine Mischung aus Beiden, aber es war auch diesmal wieder eine Erfahrung fürs Leben und es war tatsächlich der langersehnte Ausbruch aus dem sich ständig drehenden Hamsterrad.
Dreieinhalb Tage für 360 km waren ohnehin eine Herausforderung für uns und dann kamen die perversen Wetterkapriolen, das belastende Gepäck, die ungeplanten Unterkünfte und die dürftige Wegbeschilderung hinzu. Ja man kann sagen es war Sport, harter Sport und zwischendurch war auch die Auseinandersetzung mit einem selbst, unser ständiger Begleiter.

1.Tag
Am Samstagnachmittag starteten wir nach getaner Arbeit in Brücken und hatten da schon mehr als 60 km vor uns die wir unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit absolvieren mussten.
Unsere erste Pilgerstation führte uns auf das Schloss Mansfeld, wo wir nach einem kurzen Smalltalk mit dem Herbergsvater den ersten Stempel in unseren offiziellen Pilgerpass bekommen haben.
Überhaupt bleibt festzuhalten, dass die kirchlichen Einrichtungen uns mit offenen Armen empfingen (obwohl wir gar nicht so kirchlich sind) und alles was touristische Einrichtungen waren, da ging es nur um die Kohle!
In Luthers Sterbehaus wollte man uns sogar erst nach der Besichtigung des Museums den Stempel verabreichen, aber als es um die eigenen Überstunden ging, weil wir nämlich ziemlich spät dort eintrafen und ich androhte das wir jetzt 2 Stunden das Haus besichtigen, stempelte man uns promt den ganzen Pass voll.
Am ersten Abend übernachteten wir in einer Pilgerunterkunft im Kloster Helfta.
Total preiswert, nett und freundlich, mit einem Kreuz übern Bett und Fußbodenheizung, es war definitiv die beste Unterkunft unserer Tour.
Sehr empfehlenswert und die Bedingung für diese Unterkunft: Man muss zu Fuss oder per Bike ankommen, sonst wird man im Hotel nebenan untergebracht!
Am Abend gab es Klosterbier und Schnitzel,
also so eine richtig schmächtige Pilgermahlzeit ;-)
und dann ging es im Kloster ab in die Falle!

weitere Bilder zur Pilgerreise findet Ihr auf www.eingangblick.org !



Mittwoch, 20. Februar 2013

Pilgerrennen 2013



hier die Fakten: 
irgendwas um die 350km,
1750 Höhenmeter,
die Nordroute mussten wir abbrechen und umändern weil wir nicht über die Elbe kamen,
ca. 21h reine Fahrzeit wobei wir täglich fast 10h auf den Beinen waren,
von Querfeldein bis Bundesstraße und von tiefen Schnee bis Schlamm
es war alles dabei.
Bericht folgt demnächst 
hier auf www.auebiker.de

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ulqynspaisbwftje





Samstag, 16. Februar 2013

Wir sind dann mal weg


Warum man im Februar zu einer Pilgerreise auf den Lutherweg in Sachsen Anhalt aufbricht, 
in das Heimatland von Elsterglanz?
Keine Ahnung, vielleicht Beklopptheit, vielleicht das fehlende Abenteuer oder eben einfach nur der Ausbruch aus dem sich immer weiter drehenden Hamsterrad!
Im Gepäck ein Gang, eine Zigarre für Wittenberg, ein Bier für den ersten Tag, viel Mut um das wirklich alles durchzustehen und ein Lied zum Antreiben.
Die Sachen sind gepackt, das Stahlross gesattelt und die Kette geölt, 
und wenn Ihr das hier lest, dann sind wir bereits unterwegs...
oder schon wieder heime!

Bis bald
ALF und Zenti