Freitag, 12. August 2011

Der fast ultimative Ostharz-Marathon



Wieder haben wir unser Ziel von zweihundert Teilnehmern verfehlt. Nein ganz im Ernst, es geht nicht um die Anzahl der Teilnehmer. Es geht um ein viel verrückteres Ziel, mehr als zweihundert Kilometer und mehr als 3000 Höhenmetern mit dem Mountainbike an einem Tag zu schaffen. Männer sind Krieger. Nur führen wir keine Kriege mehr, zum Glück. Also suchen wir nach anderen Herausforderungen. Das war bisher immer mein dürftiger Versuch zu erklären was und warum wir das machen. Die Blicke die man bekommt, lassen einen verstummen. Denn man kann es nicht erklären. Nun kann ich das noch nicht einmal mehr so sagen, denn dieses Mal ist eine Frau (man ahnt es schon - Juliana) mit am Start. Sie lässt meinen Erklärungsversuch wie ein Kartenhaus zusammenfallen.
Die Wettervorausschau lässt uns grübeln. Regen. Erst viel, dann wird immer Niederschlag angesagt. So das Christians Initiative eine Bikerin und fünf Biker an den Start bringt, super. Es ist kurz vor fünf, es nieselt, Regenjacken rascheln, Stirn- und Fahrradlampen fuchteln mit ihren Lichtkegeln über das nasse Pflaster. Fast pünktlich starten wir. Wegen des Regens fahren wir die ersten 8 Kilometer weitgehend auf Asphalt, was die Sache auch nicht besser macht. So werden wir nasser, aber dafür weniger mit Schlamm bespritzt. Wir können euch nur warnen vor rot beschichteten Radwegen, sie werden rutschig wie Eis.
Durch das Gonnatal über den Berg ins Wippertal, wieder hinauf an der Rammelburg vorbei, überqueren wir die Klausstraße und rollen ins Einetal. Über Spritzer im Gesicht macht sich nun keiner mehr Gedanken, zwar können wir sie noch nicht richtig sehen, da die dunklen Wolken den erhofften Sonnenaufgang verzögern aber jeder spürt sie.

Stangerode, Gartenhaus, Burg Falkenstein mit erster Rast, hinab auf einem rutschigen Trail ins Selketal und auf der anderen Seite gleich wieder hinauf um über das Sternhaus, den Bremer Dammteich und den Gondelteich in Friedrichbrunn unsere erste Nachfüllstation und nächsten Rastpunkt zu erreichen. Eine einfache Regel, viel Tour, viel Essen. Nur lasse ich mich von meinem nicht vorhandenen Hungergefühl dazu verleiten, recht sparsam Kohlenhydrate nachzuschieben. Typischer Anfängerfehler :).

Wir strampeln auf einem Schotterweg östlich von Friedrichsbrunn um auf die Höhe des Einstieges für unsere rasante Abfahrt nach Stecklenberg, an der Lauenburg vorbei, noch den Flippertrail nutzend, zu kommen. Von dort geht es weiter immer am nördlichen Harzrand entlang nach Thale, Blankenburg und schließlich nach Wernigerode. Dort haben wir wieder an einer Kaufhalle die Möglichkeit unsere Trinkvorräte aufzufüllen und nutzen es gleich für eine Futterpause. Danach fahren wir durch die City um Touris zu erschrecken, so wie wir aussehen. Die Strecke nach Ilsenburg wurde von übereifrigen und geldgierigen Waldbesitzern breitgeschneist und aufgeschottert, so dass ich die Wege kaum wiedererkenne. Der letzte Teil ist dann doch noch ursprünglich und stimmt uns schon auf die Naturparkzone ein. Im Ilsental gibt es nur einen Weg nach oben, stimmt nicht. Denn es schlängeln sich kleine feine Trails neben dem Hauptweg zur finalen Taleinfahrt. Im großen Sandtal fahren wir bis zum Abzweig Ilsefälle und erklimmen die steile Rampe zur Stempels Buche und über den Herrmannweg den Einstieg auf den Kolonnenweg. Dort lassen wir uns von der Sonne und dem schönen Rastplatz verführen ein wenig Kräfte zu sammeln. Wenn man zu wenig gegessen hat, nutzt einem auch eine Pause nichts. Der Anstieg zu den Bismarkklippen ist hart. Dort genießen wir den Ausblick und sammeln noch einmal unsere Kräfte für den nächsten gerade so noch fahrbaren steilen Anstieg. Ich muss schieben, meine Knie zittern. Jetzt hilft nur noch eine Kohlenhydratbombe.

Die anderen haben sich schon in der Gaststätte auf dem Brocken reichlich zu essen geholt und ihre Gesichter gewaschen als Lutz und ich die restlichen Speisen und Getränke am Buffet erstürmen. Eine bildhübsche junge und sportlich aussehende kleine dunkelhaarige Köchin, sagt uns mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht das Nudeln alle sind und bemerkt neugierig wie dreckig wir aussehen. Ich bin immer noch unterzuckert und freue mich auf Hefeklöße mit heißer Pflaumensoße, einen Fruchtjoghurt und ein alkoholfreies Hefeweizen. Dann machen wir noch am höchsten Punkt das obligatorische Gipfelfoto und rasen in Wind- und Regenjacken bei 14°C in Richtung Glashüttenweg. An den Bahnschienen der Harzquerbahn lupfen alle ihre Bikes für einen kleinen Sprung. Ich treffe den Punkt etwas "ungünstig" und fliege so hoch und weit wie noch nie. Zum Glück gelingt mir eine butterweiche Landung.

Den Glashüttenweg rauschen wir bis zum Bahnhof Drei Annen Hohne hinab. An einer Wurzel fädele ich kurz ein und auf der Schotterpiste verschwindet ein kleiner spitzer Stein im Mantel des Hinterrades und entlässt die Luft aus dem Schlauch. Die einzige Panne auf der gesamten Tour. Lutz und ich reparieren, die anderen vier trinken noch schnell bei Kukki eine Tasse Kaffee. Dann geht es weiter beim Oberst Petri vorbei hinab nach Königshütte und wieder hinauf über die Staumauer der Rappbode-Vorsperre nach Hasselfelde, unserem letzten Verpflegungspunkt. Den Beweis, dass die Auebiker Trikots auffälig sind, lieferte Ingo. Er hat die Trikots erkannt und kurz Hallo gesagt und uns fast mitleidig auf die letzten gut 60 km geschickt.

Wir alle wollen auch nach Hause. So fahren wir ein Stück Straße bis zum Campingplatz und verschwinden dann wieder auf groben Schotter. Kurz vor Güntersberge gibt es nochmal eine schnelle Abfahrt, ein wenig Balsam vor dem nächsten und letzten sehr steilen Anstieg. Wir beschließen unterhalb der Staumauer die Strecke nach Hause so zu gestalten, dass wir heute den Rekordversuch :) für eine neue Höhenmeterbestmarke, abbrechen. Oben auf dem alten Stolberger Stadtweg sehen wir ein paar Biker vor uns und schon erwacht der Jagdinstinkt. Doch die Jäger verpassen den Abzweig auf die Milchstraße, so dass die eingeholten Biker nochmal gejagt werden können um den nächsten Abzweig auch noch zu verpassen. An den Kiliansteichen queren wir die Staumauer und fahren hinüber zum Franketeich die Wiese hinauf zum Fuß des Auerbergs. Dort montieren wir unsere Lampen und ziehen was über. Karlsrode, Schwiederschwende sind die nächsten Durchfahrpunkte bevor wir auf den Schotterweg am Wolfsdenkmal vorbei nach Agnesdorf mit Licht hinab fahren. Ab da nutzen wir die gemütlichste Route auf Asphalt nach Sangerhausen. Am Ortseingang von Sangerhausen machen wir ein Finisher Foto. Wir waren 17:30 h einschließlich Pausen unterwegs und haben 200 + X km und über 3.400 Hm erreicht. Jeder von uns war froh dass es geschafft war.

Bis zum nächsten Mal?!

Kommentare:

  1. Schöner Bericht.
    Es immer wieder erstaunlich, was ihr für Leistungen erbringt.
    Ich kann mich Mecki nur anschließen: Respekt und Helm ab!

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  2. Ja, Helm ab!
    Brocken inklusive und die Gesamt-Höhenmeter ... neeneenee
    Ihr seid doch wahnsinnig !

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