Die „Auebiker“ nennen sich ja
„Barbarossas Landplage“ und viele kennen vielleicht auch das Kyffhäuserdenkmal (auch
Barbarossadenkmal) im Kyffhäusergebirge in der Gemarkung von Steinthaleben, im thüringischen Kyffhäuserkreis.
Es ist übrigens das größte Denkmal in Thüringen.
Wer aber das Wort „Barbarossa“ nicht nur oberflächlich in den Mund nimmt, sondern sich mit Barbarossa (* um 1122; † 10. Juni 1190) allgemein und dann auch speziell beschäftigt, muss sich auf eine Zeitreise in das 12. Jahrhundert einlassen.
Dieser Einlassung folgend, überredete ich sowohl meine Frau als auch meine Enkeltochter und meine Nichte (beides 15jährige Teenager) im Herbsturlaub 2014 an der Südküste der Türkei, in die Zeit des 3. Kreuzzuges (1189-1192) einzutauchen, um auf den Spuren Barbarossas zu wandeln.
Bekanntlich ist Barbarossa am 10. Juni 1190 im Fluß Saleph in Kleinarmenien, der heutigen Südosttürkei ertrunken.
Wie aus der Geschichte bekannt,
zog nicht nur Alexander der Große auf seinem Feldzug gen Osten durch die
Südtürkei, sondern auch die Heere der Kreuzzüge in das sogenannte
„Heilige Land“.
Für mich ist die Türkei
historisch betrachtet, das interessanteste Land überhaupt. Man trifft hier auf
über 15 verschiedene Kulturen und es
gibt ca. 40 000 Ausgrabungsstätten.
Da ich wusste, dass sich ca. 130 km östlich von Alanya die relativ gut erhaltene Festungsanlage "Mamure" befindet, in der sich auch Barbarossa während dem
3. Kreuzzug aufhielt, wollte ich unbedingt diese historische Stätte besichtigen.
Sie wurde im dritten Jahrhundert nach Christus als römische Festung gebaut und diente während der Zeit der Kreuzzüge den Kreuzrittern, als Festung.
Unser Urlaubsort war Colakli bei Side. Bereits in Deutschland mietete ich für 2 Tage einen Pkw, um, u.a., zur Festung „Mamure“ fahren zu können.
Nachdem wir das Mietauto (ein
Fiat Diesel) pünktlich übernehmen konnten, fuhren wir nach Aspendos, einer antiken griechischen Stadt an
der türkischen Riveria. Meine Frau und ich waren bereits 2002 dort. Aber wir wollten den Teenagern auch
ein wenig Geschichte und ihre Kulturen nahe bringen. Den Touristen bietet man
das Theater von Aspendos (ist
ein römisches Bauwerk) für teures Geld als Ausflug mit einem Bus an. Sie sehen
dann aber auch nur das Theater.
Nach unserer privaten Besichtigung
des Theaters, führten wir die Mädchen zu den Ausgrabungen in der Oberstadt, nördlich des Theaters, der
eigentlichen Stadt Aspendos, mit fantastischem Blick zum Taurus. Auch ein gut
erhaltenes antikes oberirdisches Bauwerk einer Wasserleitung (Aquädukt) konnten
wir ihnen zeigen.
Nach der Besichtigung von
Aspendos fuhren wir zurück zum Hotel nach Colakli und aßen Mittag. Anschließend
fuhren wir mit dem Mietauto zum Green Canyon in das Taurusgebirge.
Für den zweiten Tag hatte ich
meine Frau, Enkeltochter und Nichte darauf eingestimmt, dass wir vom Hotel in
Colakli bis zur Stadt Anamur ca. 200 km auf der Küstenstraße D400 mit dem
Mietauto fahren müssen, natürlich auch wieder zurück. Ich stimmte sie darauf
ein, dass wir 10 -12 Stunden unterwegs sein werden.
Allerdings verschwieg ich
ihnen, dass es von der Stadt Anamur nochmals etwa 10 km in östlicher Richtung bis zur Festung "Mamure" sind.
So ersparte ich mir unnötige Maulerei. Zumal bei meiner Enkeltochter und Nichte
auch natürliche Ängste dabei waren, da wir uns in Richtung türkisch/syrische
Grenze bewegten.
Außer meinen über 25jährigen
Judokenntnissen, hatte ich zusätzlich meine Wasserpistole aus Kindheitstagen
mit. So konnte ich die berechtigten
Ängste abschwächen, zumal ich ihnen auch auf meiner Türkeikarte zeigte, dass diese Grenze noch ca. 500 Straßenkilometer
von Anamur entfernt ist.
Von unseren ca. 210 Straßenkilometern zur Festung "Mamure" führten ca. 60 km der Küstenstraße durch das Taurusgebirge. Insbesondere nach der Stadt Gazipasa
wurde die Straße sehr anstrengend. Es ging bergauf und bergab, war eng und äußerst
kurvenreich. Allein für diese 60 km haben wir etwa 2 Stunden Fahrzeit benötigt.
Unvorhergesehen kamen wir zwischen
Demirtas und Gazipasa in eine allgemeine Polizeikontrolle.
Da es aber nicht meine erste Visite und auch nicht meine erste Exkursion mit einem Mietauto in der Türkei war, sagte ich zu meiner Frau und den Mädchen, sie sollen ganz unruhig bleiben.
Die Polizisten waren sehr freundlich, kontrollierten
Fahrzeugpapiere und meinen Führerschein. Sie konnten weder deutsch noch
englisch.
Nicht nur wir wurden kontrolliert, auch andere Fahrzeuge, vermutlich
wegen der angespannten Situation an der Grenze zu Syrien.
Ich zeigte ihnen meine Türkeikarte und unser Ziel Anamur. Als sie meine Karte
sahen und die mit Textmarker gekennzeichneten Regionen und Sehenswürdig- keiten,
die meine Frau und ich bereits in vergangenen Jahren besichtigt haben, waren sie
ziemlich beeindruckt. Zumal wir uns vieles mit einem Mietauto erschlossen haben.
Nach ca. 15 min konnten wir weiterfahren
und erreichten gegen Mittag die Festungsanlage "Mamure".
Jetzt kam aber der Hammer,
die Anlage war wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen und wir waren ziemlich enttäuscht. Da macht man sich
aus der „Goldenen Aue“ über tausende km auf den Weg, um diese Festungsanlage zu besichtigen und auf den
Spuren von Barbarossa zu wandeln, steht nach nicht unerheblichen Anstrengungen vor dem Objekt der Begierde, und dann
ist sie geschlossen.
Sollte dieser weite Weg
umsonst gewesen sein? Aber so schnell gebe ich niemals auf.
Den Pkw parkte ich auf der gegenüberliegenden
Straßenseite. An der Burg war kein Mensch zu sehen. Also ging ich auf die Festung
zu, um ein Schlupfloch in die Anlage zu finden. Und siehe da, es geschah ein
Wunder, Barbarossa hat uns die Rettung gesandt. Aus der Festung kam ein sehr
freundlicher Türke auf mich zu und bat uns, durch den mit einem
Bauzaun abgesperrten Eingang in die Festungsanlage. Aber nicht nur das, er führte
uns durch die Anlage, machte interessante Ausführungen zur Historie (in
englischer Sprache), erläuterte die Restaurierung und fungierte auch als
Fotograf für unser Gruppenfoto.
(v. l. meine Nichte, meine Frau u. r. meine Enkeltochter)
(v. l. meine Nichte, meine Frau u. r. meine Enkeltochter)
Als ich dann endlich die
Gelegenheit hatte, einige Minuten meinen Gedanken nachzuhängen, schaute ich
durch eine Öffnung der
Festungsmauer und meditierte.
Plötzlich erschien ER und
erkundigte sich nach der „Güldenen Aue“ und seiner Landplage, die ihm bis zum
Kap Anamur zu Ohren gekommen war. Diese historische Gelegenheit nutzend, informierte ich ihn über seine Landplage und deren Philosophie.
Barbarossa war sichtlich gerührt und trug mir auf, seiner Landplage die herzlichsten Grüße zu übermitteln und, dass er stolz darauf ist, dass es solch eine Landplage in der „Güldenen Aue“ gibt.
Barbarossa war sichtlich gerührt und trug mir auf, seiner Landplage die herzlichsten Grüße zu übermitteln und, dass er stolz darauf ist, dass es solch eine Landplage in der „Güldenen Aue“ gibt.
Dieses einmalige Erlebnis war
mir anschließend auch ein angemessenes Trinkgeld (in euronischer Währung) an unseren türkischen Führer durch die Festung wert. Danach sahen wir uns noch
die Festung von außen an. In dem Wassergraben landseits waren Schildkröten. Auf einer
benachbarten Wiese standen Granatapfelbäume und wir nahmen uns etwas Obst für
den Rückweg mit. Auch nahmen wir noch einen Imbiss ein.
Anschließend fuhren wir zurück. Allerdings bogen wir in Anamur noch zur antiken Stadt Anemurium ab. Es ist eine antike Stadt aus hellenischer Zeit, die im Laufe der Geschichte auch von anderen Völkern bewohnt und genutzt wurde. Es war eine strategisch wichtige Küste, konnte man doch von hier den gesamten Schiffsverkehr zwischen dem Nahen Osten und der türkischen Südküste überwachen.
Nach der Besichtigung des antiken Anemurium gingen wir an den Strand und dann schwimmen. Das Wasser war sauberer als das Wasser in unseren Freibädern und Schwimmhallen.
Nach diesem Labsal traten wir die "Heimfahrt" zum Hotel an. Es war eine fantastische Zeitreise in die Geschichte mit vielen unvergesslichen Eindrücken. Gegen 20 Uhr waren wir wieder im Hotel.
Da sich bei mir Entzugserscheinungen einstellten, versuchte ich in den nächsten Tagen ein Fahrrad aufzutreiben. Leider erfolglos. Daher blieb mir nur die Nutzung des sehr gut ausgestatteten hoteleigenen Fitnesscenter übrig. Aber der Sattel des Hometrainers war ein Katastrophe.
Mein Neid ist mit Dir!
AntwortenLöschenSehr schöner Bericht von einer, sicherlich beeindruckenden, Reise!
Hut ab!
Auch von mir großes Lob! Für so einen Diavortrag muss man anderswo viel Geld bezahlen.
AntwortenLöschenHallo Herr Heise, da wir uns persönlich kennen, weiß ich, dass dein Neid aufrichtig ist.
AntwortenLöschenÜbrigens, Neid ist die höchste Form der Anerkennung.