Mit dem ersten Blick aus dem Fenster kamen die Zweifel.
Schnee ohne Ende, die Nachrichten auf N24 kündigten ein Schneechaos in
Deutschland an und wir hatten noch mehr als 100 km mit dem Rad vor der Brust.
Eigentlich völlig bekloppt, aber an Aufgeben dachte von uns
so kurz vor dem Ziel keiner und so frühstückten wir und sattelten ein letztes
mal unsere geschundenen Räder.
Bereits in der Stadt hatte ich meine erste Panne und wir mussten bei eisiger Kälte den Schlauch vom Hinterrad wechseln.
Dann ging es leicht durchnässt weiter und wir waren kaum raus
aus Köthen, da wollte uns ein weiterer Gegner an der Weiterfahrt hindern –
stürmischer, eisiger Nordwestwind welcher schutzlos zwischen den Feldern auf
uns lauerte.
Wir kamen kaum voran, konnten uns wegen dem Lärm der
vorbeieilenden, hupenden LKW nicht verständigen und überhaupt war es die
Hölle.
Irgendwann kamen wir durchnässt, entkräftet und völlig fertig
in Könnern an, wo wir uns in ein Cafe` an der Straße flüchteten.
Andreas lief das Wasser aus allen Poren, er war durch eine
Erkältung bereits angeschlagen und eine Weiterfahrt war so nicht mehr
möglich.
Wir waren vorbereitet, er rief sein Taxi an und das
Cafe`wurde zum All-inklusiv-Restaurant umfunktioniert.
Während er sich durch die Theke fraß, wechselte ich die
Klamotten und beschloss die Weiterfahrt ganz allein.
Andreas war versorgt und er versprach das er mich später
noch aufsammeln könne, sollte ich es nicht schaffen und so nahm ich den Kampf
gegen die bevorstehende Eiszeit an.
Ab jetzt hatte ich ein Sonderprogramm gebucht, nämlich das
Windkanal-Bergtraining und Bundesstraßen-Spinning in einem
Komplettpaket. Alles zur gleichen Zeit
40 km lang Sturm, Berge, LKW und eisige Kälte,
irgendwann
funktioniert man nur noch.
Man schreit den Wind an,
zeigt den LKW-Fahrern den
Stinkefinger
und irgendwann versinkt man in sich selbst,
man tritt ohne das es
ein Morgen gäbe,
man fährt durch eine Parallelwelt,
eine Welt in der man ganz alleine ist,
man vereint sich mit dem einen Gang,
und verliert an nichts mehr einen Gedanken,
Es ist wie eine Droge
Das geht so lange, bis man wieder aufwacht und in
Klosthermansfeld völlig unterzuckert in eine Bäckerei stolpert.
Ich glaub die Bedienung schüttelt heute noch mit dem Kopf.
Danach ging es bergab bis Sangerhausen und weiter durch die
heimatliche Goldene Aue bis zum Ankunftsort nach Brücken, wo Andreas schon
sorgenvoll auf mich wartete.
Und die Moral von der Geschicht, ein krankes Abenteuer, ein guter
Freund, der Spass miteinander und unsere Religion ,,das Biken“ sind wichtiger, als vorgespielte Reiseversprechungen eines Reiseführers, vergiss das nicht!
Vielen Dank
ALF und Zenti
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