Auch heute quälten wir uns bereits in den frühen
Morgenstunden, mit schweren Beinen vom Vortag, in Richtung Dübener
Heide.
Im Gegensatz zur Schlammschlacht von gestern, war der Boden gefroren, die Feldwege mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt und je
tiefer wir in die Wälder vordrangen, umso höher wurde der Schnee und je glatter
das sich darunter befindende Eis.
Mit dem Erreichen der touristisch ja so hochgelobte Dübener
Heide, verschwand auch nach und nach die Beschilderung des Lutherwegs. Und je tiefer wir in die Heide kamen, umso schlimmer wurde
es.
Eigentlich wollten wir heute zum Mittag an Luthers Thesentür in Wittenberg
anschlagen, aber es kam wie es kommen musste, wir irrten wieder im Wald umher.
Dank GPS-Gerät erreichten wir mit 2 Stunden Verspätung die
Thesentür in Wittenberg, dass Ziel unserer Reise, doch ein netter Bauzaun
verhinderte den lang ersehnten Anschlag.
Um wenigstens den Pilgerstempel zu ergattern, kehrten wir in
der Tourist-Information ein, aber auch da war die Frau ein wenig überfordert, ja
eigentlich kannte die Aushilfe den Pilgerpass gar nicht.
Andreas verfärbte sich zum Rumpelstilzchen und ich erklärte
mit Händen und Füßen was wir für einen Stempel brauchten und irgendwann bekamen
wir ihn dann auch.
Schnell noch Mittag an Luthers Denkmal und dann ging es
weiter an der Elbe entlang auf der Nordroute des Weges.
Je näher wir an die Elbe kamen, umso mehr wurde aus dem
Radweg ein Eisweg, dass Hochwasser welches vor Tagen hier noch wütete,
überdeckte die Landschaft mit Eis.
,,Hier kannst Du locker fahren“ waren die letzten Worte vom
Andreas bis er an mir vorübersegelte … und danach schlitterte auch sein Rad an
mir vorbei.
Den nächsten Ort erreichten wir dann lieber zu Fuß und
wanderten auf der dünnen Eisschicht weiter durch die verlassene
Elblandschaft.
Das Chaos nahm seinen Lauf, so standen wir irgendwann an der
Elbe, jedoch ging der Lutherweg auf der anderen Seite weiter.
Ein Rentner der seinen Dorfköter zum kacken ausführte,
munterte uns mit den Worten auf ,,da müsst Ihr im Mai wiederkommen, da fährt die
Fähre wieder“.
Die Worte die wir nun gebrauchten waren nicht mehr jugendfrei
und überhaupt haben wir den Weg ab jetzt gehasst.
Die nächste Brücke befand sich in Dessau und das bedeutete
40km Umweg! Nun hatten wir vom Lutherweg wirklich genug und so nahmen wir den
kürzesten Weg zum Etappenziel Köthen.
Wir kamen nach 10h Kampf auf dem Rad mit
Einbruch der Dunkelheit in der Köthener Schlachteplatte an. Ich glaube Andreas
hat mich gehasst, aber dafür war die Unterkunft genial, der Chef persönlich half
uns in seinem Nadelstreifenanzug beim abpacken der Räder und der Whisky mit dem abendlichen Pilgerschnitzel waren ein Genuss!
An diesem Abend änderten wir die Route und beschlossen die
Heimreise auf dem kürzesten Weg, da sich im Radio die Unwetterwarnungen
überschlugen!
weitere Bilder auf www.eingangblick.org
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