Sonntag, 10. März 2013

3.Etappe Pilgern, Fluchen, artig sein



Auch heute quälten wir uns bereits in den frühen Morgenstunden, mit schweren Beinen vom Vortag, in Richtung Dübener Heide.
Im Gegensatz zur Schlammschlacht von gestern, war der Boden gefroren, die Feldwege mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt und je tiefer wir in die Wälder vordrangen, umso höher wurde der Schnee und je glatter das sich darunter befindende Eis.
Mit dem Erreichen der touristisch ja so hochgelobte Dübener Heide, verschwand auch nach und nach die Beschilderung des Lutherwegs. Und je tiefer wir in die Heide kamen, umso schlimmer wurde es. 
Eigentlich wollten wir heute zum Mittag an Luthers Thesentür in Wittenberg anschlagen, aber es kam wie es kommen musste, wir irrten wieder im Wald umher.
Dank GPS-Gerät erreichten wir mit 2 Stunden Verspätung die Thesentür in Wittenberg, dass Ziel unserer Reise, doch ein netter Bauzaun verhinderte den lang ersehnten Anschlag.
Um wenigstens den Pilgerstempel zu ergattern, kehrten wir in der Tourist-Information ein, aber auch da war die Frau ein wenig überfordert, ja eigentlich kannte die Aushilfe den Pilgerpass gar nicht.
Andreas verfärbte sich zum Rumpelstilzchen und ich erklärte mit Händen und Füßen was wir für einen Stempel brauchten und irgendwann bekamen wir ihn dann auch.
Schnell noch Mittag an Luthers Denkmal und dann ging es weiter an der Elbe entlang auf der Nordroute des Weges.


Je näher wir an die Elbe kamen, umso mehr wurde aus dem Radweg ein Eisweg, dass Hochwasser welches vor Tagen hier noch wütete, überdeckte die Landschaft mit Eis.
,,Hier kannst Du locker fahren“ waren die letzten Worte vom Andreas bis er an mir vorübersegelte … und danach schlitterte auch sein Rad an mir vorbei.
Den nächsten Ort erreichten wir dann lieber zu Fuß und wanderten auf der dünnen Eisschicht weiter durch die verlassene Elblandschaft.
Das Chaos nahm seinen Lauf, so standen wir irgendwann an der Elbe, jedoch ging der Lutherweg auf der anderen Seite weiter.
Ein Rentner der seinen Dorfköter zum kacken ausführte, munterte uns mit den Worten auf ,,da müsst Ihr im Mai wiederkommen, da fährt die Fähre wieder“.
Die Worte die wir nun gebrauchten waren nicht mehr jugendfrei und überhaupt haben wir den Weg ab jetzt gehasst.
Die nächste Brücke befand sich in Dessau und das bedeutete 40km Umweg! Nun hatten wir vom Lutherweg wirklich genug und so nahmen wir den kürzesten Weg zum Etappenziel Köthen. 
Wir kamen nach 10h Kampf auf dem Rad mit Einbruch der Dunkelheit in der Köthener Schlachteplatte an. Ich glaube Andreas hat mich gehasst, aber dafür war die Unterkunft genial, der Chef persönlich half uns in seinem Nadelstreifenanzug beim abpacken der Räder und der Whisky mit dem abendlichen Pilgerschnitzel waren ein Genuss!
An diesem Abend änderten wir die Route und beschlossen die Heimreise auf dem kürzesten Weg, da sich im Radio die Unwetterwarnungen überschlugen! 

weitere Bilder auf www.eingangblick.org

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